Der Eigenverlag von Çağıl Çayır entstand aus dem Wunsch, wissenschaftliche Arbeiten unabhängig von etablierten akademischen und kommerziellen Verlagen zu veröffentlichen. Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass bestimmte Themen der Geschichts-, Kultur- und Wissenschaftsforschung nur begrenzte Möglichkeiten fanden, in herkömmlichen Publikationsstrukturen umfassend behandelt zu werden.
Bereits während seines Studiums der Geschichte und Philosophie an der Universität zu Köln beschäftigte sich Çayır mit der Wissenschaftsgeschichte der Erforschung alttürkischer und europäischer Runenschriften. Seine Bachelorarbeit über die historischen Debatten zum Verhältnis der alttürkischen Schrift und der sogenannten germanischen Runen wurde zunächst auf dem universitären Publikationsserver veröffentlicht. Später entschloss er sich, die Arbeit in erweiterter Form als Buch herauszugeben.
Im Jahr 2022 erschien die erste größere Veröffentlichung des Eigenverlages unter dem Titel Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der türkischen und „germanischen“ Schrift. Das Werk verband Wissenschaftsgeschichte, Kulturvergleich und Philosophie der Geschichte und wurde mit einem Vorwort des Germanisten und Philosophen Heinrich Beck veröffentlicht.
Mit der Veröffentlichung von Runen in Eurasien begann zugleich der Aufbau einer eigenen verlegerischen Infrastruktur. Neben Druckausgaben wurden digitale Vertriebswege entwickelt, darunter eine eigene Autoren- und Verlagswebsite. Der Verlag verstand sich dabei nicht nur als Publikationsplattform für eigene Forschungen, sondern auch als Forum zur Wiederentdeckung historischer Quellen und vergessener Debatten der europäischen Geistesgeschichte.
Ein weiterer Meilenstein ist die Edition von Sven Lagerbrings Schrift Über die Ähnlichkeit der Sprachen Schwedisch und Türkisch aus dem Jahr 1764. Die Ausgabe ist als wissenschaftliche Quellenedition mit Faksimiles, Transkriptionen, Übersetzungen und Kommentaren erschienen. Damit wurde erstmals eine umfassende moderne Bearbeitung eines Textes zugänglich gemacht, der zu den frühen Zeugnissen der schwedisch-türkischen Sprachvergleichsforschung zählt.
Parallel dazu entwickelt sich der Verlag als offenes kultur- und wissenschaftsorientiertes Publikationsprojekt. Neben wissenschaftlichen Monographien, Essays und kulturhistorischen Arbeiten gehören auch Übersetzungen, historische Quellen, künstlerische Projekte sowie experimentelle Publikationsformen zum geplanten Programm.
Heute umfasst das Verlagsprogramm vor allem wissenschaftliche und essayistische Veröffentlichungen, darunter Runen in Eurasien sowie verschiedene editorische und kulturhistorische Projekte. Ergänzt werden soll das Angebot künftig durch Kunst-, Spiel- und Kulturartikel, darunter Lernspiele, historische Karten, Illustrationen, Sammlerobjekte und weitere pädagogische Formate. Der Verlag verfolgt dabei das Ziel, Forschung, Kulturvermittlung und kreative Gestaltung miteinander zu verbinden und historische Themen auch außerhalb rein akademischer Kontexte zugänglich zu machen.
Der Eigenverlag steht damit in der Tradition unabhängiger Autoren- und Kulturverlage, in denen Forschung, Gestaltung, Edition und Publikation eng miteinander verbunden sind. Seine Entstehung ist zugleich Teil der biographischen und wissenschaftlichen Entwicklung des Historikers und Philosophen Çağıl Çayır, der seit den 2010er Jahren wissenschaftliche, publizistische und kulturhistorische Projekte im deutsch-türkischen und eurasischen Kontext verfolgt.
Kulturakademie Çayır
Ein weiterer Teil des Projekts ist die Kulturakademie Çayır bzw. Çayır Kültür Akademisi / Cultural Academy Çayır. Sie versteht sich als unabhängige Plattform für Wissenschaft, Kultur, Kunst und Bildung und soll deutsch-türkische sowie internationale Perspektiven miteinander verbinden. Zum Konzept gehören Vorträge, digitale Seminare, Lesungen, Gesprächsreihen, kulturelle Bildungsangebote, Workshops und audiovisuelle Formate.
Bereits in den ersten Jahren entstehen hierfür verschiedene Video- und Gesprächsformate mit Wissenschaftlern, Autoren und Kulturschaffenden. Dazu zählen unter anderem Beiträge und Gespräche mit Heinrich Beck, Cornelia Lohwasser, Arnulf Krause sowie Azmi Bilgin. Die Akademie dient damit zugleich als digitales Archiv wissenschaftlicher und kultureller Diskussionen.
Langfristig sollen Verlag und Kulturakademie eng zusammenarbeiten. Während der Verlag Bücher, Kunst- und Kulturprodukte veröffentlicht, fördert die Akademie die öffentliche Diskussion, Wissensvermittlung und kulturelle Begegnung. Geplant sind zudem digitale Archive, Online-Vorlesungen, Dokumentationen sowie Projekte zur historischen und kulturellen Bildung im internationalen Kontext.
Kulturgespräche
Im Rahmen der Kulturgespräche entstehen offene Gespräche über Geschichte, Sprache, Philosophie, Literatur, Religion, Wissenschaft und Gesellschaft. Die Gesprächsreihe verbindet unterschiedliche kulturelle Perspektiven und lädt dazu ein, historische Zusammenhänge, gemeinsame Traditionen und aktuelle Fragen im respektvollen Austausch neu zu betrachten. Im Mittelpunkt stehen Bildung, Verständigung und die Suche nach verbindenden Ideen zwischen Kulturen und Zeiten.
- Gibt es rein geistige Wesen?
Gespräch mit dem Philosophen Heinrich Beck über Geist, Bewusstsein, Religion, Metaphysik und die Frage nach nichtmateriellen Formen des Seins. Im Mittelpunkt des Kulturgesprächs stehen philosophische und kulturgeschichtliche Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Seele, Denken und Wirklichkeit.
- Die Begegnung der Kulturen als Ziel der Geschichte
Gespräch mit dem Philosophen Heinrich Beck über Geschichtsphilosophie, kulturelle Verständigung und die Frage, ob die Geschichte der Menschheit auf eine tiefere Form der Begegnung und des gegenseitigen Verstehens hinweist. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen zwischen Kulturen, Religionen und Weltbildern sowie die Suche nach gemeinsamen Grundlagen menschlicher Geschichte.
- Die Bamberger „Götzen“ und ihre asiatischen Verwandten
Gespräch mit der Archäologin Cornelia Lohwasser über kulturhistorische Verbindungen zwischen Europa und Asien, archäologische Funde, religiöse Bildwelten und die Wanderung von Symbolen und Vorstellungen zwischen den Kulturen Eurasiens. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Bamberger Götzen und ihre möglichen historischen und ikonographischen Bezüge zu asiatischen Traditionen.
- Die Runenschrift
Gespräch mit dem Germanisten Arnulf Krause über die Geschichte der Runenschriften, ihre kulturellen Hintergründe und ihre Bedeutung im europäischen und eurasischen Kontext. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Ursprung, Entwicklung und Schriftvergleich — darunter auch historische Überlieferungen und Debatten über mögliche Beziehungen zwischen nordischen Traditionen, Eurasien und der Frage: „War Odin ein Türke?“
- Die Kultur der Altai-Tuwiner (Türkisch)
Gespräch mit Altai-Tuwinerin Khongorzul Tserennadmid über die Geschichte, Traditionen und geistigen Vorstellungen der Tuwiner im Altai-Raum. Im Mittelpunkt stehen nomadische Kultur, Musik, Sprache, Schamanismus sowie die historischen Verbindungen zwischen der Mongolei, Zentralasien und den Kulturen Eurasiens.
- Die Kultur der Altai-Tuwiner 2 (Türkisch)
Gespräch mit den einheimischen Gesprächspartnern Khongorzul Tserennadmid (Cımcak) und Naranbaatar Tumur-Uyal (Gök Karak) über Geschichte, Alltag, Traditionen und geistige Vorstellungen der Altai-Tuwiner. Im Mittelpunkt stehen nomadische Lebensweisen, Sprache, Musik, Naturvorstellungen und die kulturellen Verbindungen zwischen der Mongolei, dem Altai und Eurasien.
- Tengrismus und mongolischer Schmanismus (Türkisch / Mongolisch)
Gespräch mit der mongolischen Schamanin und Direktorin des Golomt Center for Shamanist Studies, Khaliun Sukhbat, über Tengrismus, Schamanismus, Naturvorstellungen und die geistigen Traditionen Zentralasiens. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Himmelglauben, Ritualen, Ahnenkultur, Spiritualität und der Bedeutung alter Überlieferungen in der modernen Welt.
- Die Kultur von Antakya (Türkisch)
Gespräch mit dem einheimischen Touristenführer Ömer Eraslan aus Antakya über die Folgen des Erdbebens von 2023, den Wiederaufbau der Stadt, das Schicksal ihrer Bewohner sowie das kulturelle und historische Erbe einer der ältesten Städte der Welt. Im Mittelpunkt stehen persönliche Erfahrungen, Erinnerungen an das alte Antakya und die Herausforderungen und Hoffnungen einer Region im Wandel.
- Die Kultur von Antakya 2 (Türkisch)
Gespräch mit dem einheimischen Kebapmeister sowie Metzgerei- und Restaurantbetreiber Mahmut Çayır aus Antakya über das Leben nach dem Erdbeben von 2023, die kulinarischen Traditionen Antakyas, den Wiederaufbau der Stadt sowie die Bedeutung von Handwerk, Gastfreundschaft und regionaler Kultur im Alltag der Menschen.
- Über den „Gök Tengri“-Begriff (Türkisch)
Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Azmi Bilgin über die Bedeutung des Begriffs „Gök Tengri“ in den türkischen und zentralasiatischen Traditionen. Im Mittelpunkt stehen historische Quellen, Sprache, Literatur, Religionsgeschichte und die Entwicklung des Himmelsbegriffs in den Kulturen Eurasiens.
Verlagssortiment
Bücher
Der Verlag veröffentlicht Bücher zu Geschichte, Philosophie, Sprach- und Kulturforschung sowie gesellschaftlichen und historischen Fragestellungen. Im Mittelpunkt stehen wissenschaftliche Arbeiten, Essays, Quellenstudien und kulturvergleichende Untersuchungen, die neue Perspektiven auf Europa, Anatolien und Eurasien eröffnen. Ziel ist es, Forschung, Bildung und kulturellen Dialog auch außerhalb klassischer akademischer Strukturen zugänglich zu machen.
Runen in Eurasien. Über die apokalyptische Spirale zum Vergleich der türkischen und „germanischen“ Schrift. Mit einem Vorwort von Prof. Prof. h. c. mult. Dr. Dr. h. c. Heinrich Beck
Die Studie widerlegt den fatalen Irrglauben der Fremdheit der Völker und Schriften. Zugleich offenbart sich eine apokalyptische Spirale hin zu ihrer Wiedervereinigung. Somit eröffnet sich ein ebenso vielversprechendes wie umwälzendes Forschungsfeld.
“Cermen” Runik Yazısının Türk Kökeni. Batı’da Runik Yazının Kökeni Üzerine Tartışmalar
Farklı yazı sistemlerindeki runik harflerin benzerliği göz önüne alındığında, Asya’da eski Türk dünyasındaki ve Avrupa’da Cermenlerin arasındaki yazı oluşumunun birbirinden tamamen bağımsız olup olmadığı eskiden beri süregelen bir tartışmadır.
Editionen
Der Verlag veröffentlicht wissenschaftliche Editionen historischer Quellen, Handschriften und vergessener Texte aus den Bereichen Geschichte, Sprachforschung, Philosophie und Kulturwissenschaft. Ziel der Editionen ist es, bedeutende Werke durch Transkriptionen, Übersetzungen, Kommentare und Einleitungen einer breiteren Öffentlichkeit erneut zugänglich zu machen und zugleich kritisch wissenschaftlich einzuordnen. Dabei stehen insbesondere kulturübergreifende Verbindungen zwischen Europa, Anatolien und Eurasien im Mittelpunkt.
Sven Lagerbring: Über die Ähnlichkeit der Sprachen Schwedisch und Türkisch. Brief an den Kanzleirat und Ritter Herrn Johan Ihre
Die vorliegende Edition bietet erstmals eine deutsche Übersetzung von Sven Lagerbrings Schrift Bref till Cancellie-Rådet och Riddaren, Herr Joh. Ihre om Swenska och Turkiska Språkens likhet (1764).
Sven Lagerbring: Şansölyelik Danışmanı ve Şövalye Bay Johan Ihre’ye İsveççe ve Türkçe Dillerinin Benzerliği Üzerine Mektup
Bu edisyon, Sven Lagerbring’in Bref till Cancellie-Rådet och Riddaren, Herr Joh. Ihre om Swenska och Turkiska Språkens likhet (Lund 1764) adlı eserinin kaynak eleştirisine dayalı Türkçe çevirisini ve bilimsel neşrini sunmaktadır.







